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Fachtagung: „Von der Integration zur Inklusion“

Bürgermeister Klaus Pipke (5.v.l.) eröffnete die Fachtagung mit dem Thema „Von der Integration zur Inklusion“.

(22.3.2017, ms) „Wir haben uns das Thema Inklusion in Hennef schon vor vielen Jahren zur Aufgabe gemacht“, sagte Bürgermeister Klaus Pipke bei der Eröffnung der Fachtagung Von der Integration zur Inklusion in der Meys Fabrik. Weiter betonte er: „Zunächst hat uns dieses Thema ab 2010 im Bildungsbereich beschäftigt. Mit der Einrichtung der Stabsstelle Inklusion und Älterwerden am 1. Oktober 2015 haben wir dann eine Koordinierungsstelle geschaffen, die eine umfassende und kontinuierliche Begleitung des Themas gesamtstädtisch gewährleistet. Deswegen freue ich mich, dass unsere Stabsstelle zu den Mitbegründern des Interkommunalen Arbeitskreises Inklusion Sieg gehört, der zur heutigen Fachtagung eingeladen hat.“

Eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen, Initiativen und Institutionen aus dem gesamten Rhein-Sieg-Kreis sowie Studentinnen und Studenten und Professorinnen und Professoren der Universität Siegen. Ziel dieser Fachtagung war der Austausch von Erfahrungen im Bereich Inklusion sowie Vernetzung und die Entwicklung neuer Ideen.

Nach der Einführung in das Thema vor 100 Teilnehmenden durch Walter Hövel, Mitbegründer des „Interkommunalen Arbeitskreises Inklusion Sieg“ (Intakis), und einem Vortrag von Dr. Karl-Heinz Imhäuser von der „Montag Stiftung – Jugend und Gesellschaft“, führte Jürgen Sellge, Intakis-Mitbegründer, die Arbeitsgruppen in die Arbeit ein. Dabei wurden folgende Leitfragen bearbeitet: Was machen wir derzeit? Wo wollen wir hin? Was machen und brauchen wir auf unserem weiteren Weg, und was hilft uns dabei?

Zum Abschluss stellten die Arbeitsgruppen ihre Kernergebnisse vor und tauschten sich darüber aus, um dann das Playback-Theater zu erleben, dass auf eigene Art die erfolgreiche Konferenz Revue passieren ließ.

Die Arbeitsgruppen und ihre Moderatorinnen und Moderatoren im Einzelnen:

Umsetzung in den Kommunen. Moderatorin Uschi Resch, Arbeitskreis Inklusion „Alle inklusive Eitorf“

Was brauchen Kinder/Jugendliche, um ihren Platz zu finden? Moderation: Melanie Schulz, Schulleiterin Grundschule Wolperath, und Judith Krieger von der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid

Alte Menschen. Moderation: Wolf Kiesewetter, ZWAR Hennef

Migranten. Moderation: Renate Paßmann-Lange, Lehrerin an der Grundschule Seelscheid

Armut. Moderation: Intakis-Mitbegründer Walter Hövel, Arbeitskreis Inklusion „Alle inklusive Eitorf“

Suchende „Wo ist mein Platz in der Gesellschaft?“. Moderation: Intakis-Mitbegründer Jürgen Sellge, Arbeitskreis Inklusion „Alle inklusive Eitorf“

Experten in eigener Sache. Moderation: Heike Wagner, Arbeitskreis Inklusion „Alle inklusive Eitorf“

Wissenschaftliche Qualifikation vor Ort. Moderation: Intakis-Mitbegründerin Judith Norden, Leitung Stabsstelle Inklusion und Älterwerden Stadt Hennef.

Hier der Link zur Seite der Stadt Hennef: Internetseite Stadt Hennef

„Inklusion - ist eine Grundhaltung des christlichen Menschenbilds“

„… und Inklusion ist eine Frage der Grundhaltung aller Menschen“, so begann und endete nach anderthalb Stunden Gespräch die Bundestagsabgeordnete Lisa Winkelmeier-Becker.

Der Arbeitskreis Inklusion hatte zum zweiten „Gespräch über  Inklusion“ eingeladen. In der Bibliothek der Grundschule Eitorf begrüßten die acht anwesenden Mitglieder des Arbeitskreises mit Lisa Winkelmeier-Becker, Mitglied des deutschen Bundestages, den Vorsitzenden der CDU Eitorf, Andreas Finke, den Fraktionsvorsitzenden Andreas Sontag, weitere vier Vorstandsmitglieder aus Eitorf. Bürgermeister Dr. Storch hieß als Schulträger alle willkommen.

Den Gästen wurde die bisher zweijährige Geschichte des Arbeitskreises als eine „niederschwellige“ Arbeit von Menschen nachvollziehbar vorgestellt. Diese haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Gedanken der Inklusion zu verbreiten. Es gelang ihnen davon zu überzeugen, dass Aktivität und Engagement der Arbeitskreismitglieder auch etwas mit Spaß und einem etwas anderen Verständnis von „Politik“ als „eigenes Erleben“ zu tun haben.

 

Sie erzählten den Gästen viele  Beispiele aus der täglichen Arbeit in Eitorf. Sie stimmten kein „übliches Klagelied“  an, sondern berichteten von Menschen. Von Menschen in Werkstätten, in den Grundschulen Eitorf und Harmonie, in der Arbeitslosigkeit, von Menschen mit psychischen Problemen. Von den Erfahrungen freier Träger in der Jugendhilfe, von Begabten und den vielfältigen Wünschen und Bedürfnissen junger oder alter Menschen vom Kindergarten bis in die Berufe oder den Ruhestand. Auch von Mitbürgern, deren Vorfahren vor mehr als 50 Jahren aus der Türkei kamen oder vor 600 Jahren als Sinti und Roma einwanderten, war die Rede. Und die Politikerinnen und Politiker machten keinen Wahlkampf, sondern hörten voller Aufmerksamkeit und beeindruckt zu.

Es gab keine kontroverse Diskussionen über ein Ja oder Nein der Inklusion. Niemand erörterte, Inklusion an Finanzen, Vorschriften oder  Zuständigkeiten scheitern zu lassen. Es ging um das „Wie“ und das Ziel als „Menschen dafür zu sorgen, dass alle Menschen als Menschen leben können“.

„Es geht nicht darum, immer mehr Defizite bei Menschen herauszufinden, sondern die Fähigkeiten und Kompetenzen jedes einzelnen Menschen sehen zu lernen.“, sagte ein Teilnehmer. Eine andere Teilnehmerin fuhr fort: „Jeder hat Stärken, die es gilt individuell zu fördern. Wir schauen nicht nach den Schwächen, sondern nach den Stärken.  Dieser Satz gilt sowohl für die Schulen als auch für die Behindertenwerkstatt als auch für die Ein-Euro – Jobber und, bestimmt auch in vielen anderen Bereichen.“

Einig waren sich alle, dass die Mittel für alle dort gebündelt werden müssen, wo sie gebraucht werden und nicht auf so viele Träger und Behörden, wie heute üblich, verteilt sein dürfen. Bei unseren Nachbarn, wie z.B. im Kanton Basel wird dies bereits gelebt: Die Gelder gehen direkt an die Schulen und dort wird – unter Einbeziehung aller Fachmenschen- entschieden, wer wie gefördert werden kann.

 

Auch war allen klar, dass die von unserer Regierung international eingegangene Verpflichtung zur Inklusion von unten anfangen muss. Inklusion ist keine Kampagne und kein „Projekt“. Inklusion ist ein zu verwirklichender Alltag. Und das braucht nicht nur Geld, sondern zu allererst Menschen, die sie, wie Demokratie und Menschenrechte, jeden Tag verwirklichen und mit Leben füllen.

Die Mitglieder des „Arbeitskreises Inklusion“ luden die CDU ein, die Inklusionsarbeit in Eitorf durch Mitwirkende aus ihren Reihen zu verstärken. Diese Einladung gilt natürlich allen Organisationen, Vereinen und Menschen, die in Eitorf leben und arbeiten.  

Andreas Finke, der Vorsitzende der CDU Eitorf betonte zum Schluss: „Nicht Menschen sind behindert, sondern Strukturen der Gesellschaft behindern Menschen. Wenn wir diesen Blickwechsel einnehmen,  lernen wir aus den Ansätzen der Inklusion, eine wirklich menschenwürdige Gesellschaft zu gestalten.“

Frau Winkelmeier-Becker formulierte in ihrem Schlusswort: „ Ich werde einiges über Eitorf und ihre beeindruckenden Aktivitäten zu erzählen haben.“

Inklusion wird nicht an der Geldfrage scheitern

Zum Auftakt der „Gesprächsreihe über Inklusion“  hatte der Eitorfer Arbeitskreis „Inklusion“  den Vizelandrat Dietmar Tendler und die Inklusionsverantwortliche der Kreis-SPD Veronika Herchenbach-Herwig zu Gast.

Martina Schneider, Leiterin des Schulamtes der Gemeinde Eitorf, die Leiter der Grundschulen Eitorf und Harmonie, Boris Kocea und Walter Hövel, Lili Sellge von Mutabor und Ulli Schulte von der Grundschule Harmonie, als Gastgeberin, waren die Gesprächspartner.

Es war ein reger Austausch, der von Sachverstand und sehr entwickelten Inhalten geprägt war.

Einigkeit herrschte darin, dass es nicht um die Frage geht, ob es Inklusion geben soll oder nicht, sondern, dass es nur um das Wie der Umsetzung geht. Klar war auch, dass es nicht um behinderte und nicht-behinderte Menschen geht, sondern um uns alle und um jeden.

Auf beiden Seiten gab es viel Lob für die von der Gemeinde Eitorf umgesetzte Einrichtung von Schulsozialarbeiterstellen nach dem Bildungs- und Teilhabepaket. Hier wird unter anderem deutlich, dass gerade ärmeren und oft „bildungsfernen“ Familien dabei geholfen werden kann, dass mehr für ihre Kinder auf dem Weg beim Lernen, in Leben und Beruf, getan werden kann.

Es wurde von allen betont,  von anderen Ländern lernen zu wollen. Im Schweizer Kanton Basel werden alle Mittel für Inklusion vor Ort gebündelt. Dort  zerreibt man sich nicht an komplizierten föderalen Vorgaben und an in verschiedenen Haushalten gebundenen Finanzen. Dort kann direkt vor Ort für Betroffene entschieden werden. Ebenfalls will  Eitorf von den Südtirolern lernen, mit deren Universität in Bozen gerade ein europäisches Projekt vorbereitet wird. Dort kennt man die Inklusion seit über 40 Jahren.

Das Gespräch zeigte, dass Inklusion aktuell in vier Punkten eine Chance braucht.

  • Sie darf nicht mit dem Argument der Geldknappheit der Gemeinden und den Problemen der Ressourcenverteilung zum Scheitern gebracht werden. Sie braucht nicht nur landesweit, sondern auch im Kreis einen gemeinsamen Plan, der alle Kräfte mitnimmt, die an diesem Prozess beteiligt sein müssen.  
  • Sie braucht ein verbessertes modernes Bildungssystem, in dem Schulen befähigt werden, den Ansprüchen aller Eltern und  Kinder gerecht zu werden. In diesem Prozess könnten dann auch bisherige  Förderschulen zu  „Schulen für Alle“ werden.
  • Inklusion braucht Freiräume für die vielen engagierten Menschen in Ämtern, Initiativen und Ehrenämtern, die durch ihre Arbeit Inklusion schon hier und heute möglich machen.
  • Und sie braucht eine positive Unterstützung in der Öffentlichkeit, durch die Medien und die Politik.

Die nächste Gesprächsrunde ist schon mit der CDU geplant. Ziel des Arbeitskreises Inklusion sind Gespräche z.B. mit weiteren Parteien, dem Integrationsrat, dem Seniorengremium und weitere Institutionen und Menschen in der Eitorfer Region. Wer Interesse an einem Austausch hat ist herzlich willkommen. Sprechen Sie die Mitglieder des Arbeitskreises an oder besuchen Sie die Homepage: www.alleinklusive.de , wenn Sie Interesse an einem Austausch haben oder sich informieren möchten.

Inklusion braucht alle, Qualität und Humor!

Beim fünften „Gespräch über Inklusion“, war die FDP zu Gast beim Eitorfer Arbeitskreis. Sie kam mit fünf Personen, unter ihnen die Landtagsabgeordnete Yvonne Gebauer  aus Köln, Bürgermeister Rüdiger Storch und Ruth Hartmann, die Vorsitzende  des Ratsausschusses  „Jugend, Integration, Senioren und Soziales“.

Der von Jürgen Selge moderierte Abend stand unter dem Thema „Wie gestalten wir die vielen Übergänge unseres täglichen Lebens?“, beginnend beim Wechsel  in den Kindergarten, von der Schulbank in den Beruf, in die Arbeitslosigkeit, in die Rente oder  in die allerletzte Lebensphase. Mitglieder des Arbeitskreises stellten sechs weitere dieser Schnittstellen vor: Du kommst als Asylsuchender nach Eitorf, wirst begrüßt, kommst in eine Wohnung und was geschieht dann? - Deine Familie ist vor 600 Jahren nach Deutschland gekommen. Du sprichst immer noch deine Sprache Romanes, aber wirst du gesehen oder gar anerkannt? Verstehen dich die  anderen, du die anderen? -  Du giltst als „behindert“ und findest endlich einen Arbeitsplatz in Eitorf.  – Du verlässt die Grundschule und hast die letzten Jahre mit allen gemeinsam verbracht. Jetzt wirst du getrennt in Gymnasium und Sekundarschule. – Menschen werden krank, ohne Vorwarnung, von einem Tag zum anderen. Beide Seiten, der Mensch und die Gesellschaft sind oft überfordert. – Kinder ohne Familien kommen endlich in eine „Lebensgemeinschaft“, die in Eitorf entstanden ist.

 Über diese Beispiele entsteht das Gespräch:  Menschen leben in Übergängen. Die Schnittstellen können deutlich machen, ob Inklusion gelingt oder nicht. Viele vorgegebene Strukturen blockieren oft das gemeinsame Angehen von Problemen. Aus finanzieller Sicht muss Bereichs und Kostenträger übergreifend gedacht werden. Syabend Zorlu, der jüngste im Kreis, weist auf die grundlegende Bedeutung für alle Menschen hin, die Beherrschung der eigenen und  der deutschenSprach. „Die Sprache macht’s“, sagt er. Martina Schneider: „Wenn man sich versteht, können auch Probleme gelöst werden.“

Einig ist man sich darüber, dass Inklusion hoch politisch ist, aber nicht von einzelnen Parteien gelöst werden kann. Es gilt parteipolitische Interessen hinten an zu stellen und wirklich gemeinsam zu denken und zu handeln. Und, Inklusion darf wachsen.Spannend wurde es, als Aspekte von Interessen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen an der Inklusion in den Fokus kamen. Welches Interesse haben Firmen, welches Interesse der Staat, die Gemeinde? In wieweit machen sich alle Menschen den Inklusionsgedanken zu Eigen? Wie lernen sie ihre Teilhabe am Leben anzumelden?

Ruth Hartmann  äußert ihre Sympathie für die Arbeitsweise des Arbeitskreises. Sie hebt hervor, dass nicht die Schule im Vordergrund gesehen wird, sondern die gesamte Gemeinde. Trotzdem, so Frau Hartmann, werde der Erfolg der Inklusion von ihrer Umsetzung in der Schule abhängen. Dies, so ein Teilnehmer, wird wiederum davon abhängen, in wie weit die gesamte  Gesellschaft sich noch verantwortlicher um Bildung und Erziehung hin zu mehr Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und Demokratie kümmert. Einhelliges Nicken in der Runde.

Es wird darüber gesprochen, dass Inklusion nicht eine falsch verstandene Integration als forcierte Eingliederung von Menschen bedeuten kann. Es geht vielmehr darum Verschiedenheiten, Unterschiede, Eigenheiten, Bedürfnisse und Reichtümer anderer zu sehen, zu verstehen und als Teil unserer Vielfalt zu akzeptieren.

Frau Gebauer dankte für diesen gelungenen Abend und stellte fest, dass ein Arbeitskreis bei dem so viel gelacht wird, gelingen muss. Inklusion braucht uns alle, engagierte Menschen und eine Menge Humor!